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Borkum/welt


Vor den weissen Schaumkronen der Meereswellen
Bewerfen sich bunt gefärbte Kinder mit Sand
Sie sind grosse Abenteurer
Muscheln und Vogelknochen ihre reiche Beute
Leuchtende Flatterdrachen reissen ungeduldig an ihren Leinen
Wollen empor zu den Kondensstreifen
Die Sonne wirft Reflexe auf die Brandung
Die Wellen rollen grollend an den Strand
Räder fliegen über hoch gebaute Deiche
Landen weich im Strandcafé
Paare tauschen versteckte Blicke
hingetuschte Zärtlichkeiten
Oder paaren sich in Dünentälern
Sonne kommt und geht
Wolken verstecken ihre strahlendweiche Wärme
Deutscher Kleingeist und Spiessigkeit radikal
Komprimiert und ausgelebt auf nur 36 km²
Kaffeetassen, Kuchenteller und toter Fisch auf grossen Platten
Wechseln die Besitzer und der Wind bläst
Die Reste weit übers Meer
Dorthin wo unser Leben nach der kleinen Pause Borkum
Weitergehen darf und muss.


so heiss


auf den grünen feldern
liegt noch schnee.
auf der terrasse
ist aus den avocadokernen
ein wald gewachsen.
vögel fallen singend
wie geschosse
tot vom himmel.
mir ist so heiss,
so furchtbar heiss.
die winterkälte klebt
wie teerpappe in meinem gesicht
habe ich sieben oder
hundert jahre verschlafen?

Gegenverkehr   Roman

 

Kapitel 1

Du bist ein Versager“, ruft die Stimme

14. August 1783. Aus dem Tagebuch des russischen Polarforschers Vladimir Kajdanovsky: „Es fegt ein so schwerer Sturm über das Hochplateau, dass selbst unsere Hunde sich tief in den Schnee eingegraben haben. Von weiter marschieren kann auch heute nicht die Rede sein. Wir liegen apathisch in unseren Schlafsäcken und hören dem Heulen des Sturmes zu. Ein weiterer Tag ist verloren. Wir beten, dass unsere Zelte dieser Naturgewalt stand halten. Zu viele Männer habe ich schon verloren. Jeder weitere Verlust kann unser aller Ende bedeuten.
Aleksandr Strugatsky verlässt wider besseres Wissen unser Zelt, um sich zu erleichtern. Plötzlich bellen unsere Hunde. Wir haben Strugatsky nicht wieder gesehen..."

Kalahari Wüste. 45° Grad Lufttemperatur. Juan Pablo Augusto ist bereits den vierten Tag unterwegs. Tag ist gut gesagt, denn Juan Pablo Augusto versucht, die Dunkelheit zu nutzen. Nur die Nächte machen diese glühende Hölle erträglich. Im Licht des Mondes stolpert Juan Pablo Augusto, mehr als er geht, durch die endlose und karge Wüste. Juan Pablo Augustos Augen sind blutunterlaufen und vom Sand verklebt. Sein Gesicht ist verbrannt und vernarbt, die Kleider hängen in Fetzen an ihm. Das einzige intakte ist der Lederrucksack, der, nur noch an einen Riemen befestigt, auf seinem Rücken hängt.
 
Verdunkelter Raum. Auf eine Leinwand werden schwarz-weisse Bilder geworfen. Sie zeigen einen Airbus 300 der South African Airways, Flugnummer SA 8155, der in zwei Teile zerbrochen im Wüstensand liegt.

Kalahari Wüste. Juan Pablo Augusto erklimmt mit letzter Kraft eine Düne. Er fällt hin, versucht wieder aufzustehen. Arme und Beine versagen. Wie eine Echse kriecht er auf dem Sand weiter. 

Verdunkelter Raum. Serienaufnahmen des Airbus 300, der in einer riesigen Staubwolke über den Sandboden schlittert.

Kalahari Wüste. Juan Pablo Augusto blickt über den Rand der Düne. Vor ihm nichts als Wüste, Sand, Wüste, Sand. Aber. Aber in unmittelbarer Nähe zeichnen sich Palmen gegen den heller werdenden Horizont ab. Juan Pablo Augusto mobilisiert letzte Kräfte. Er richtet sich auf und schleppt sich weiter. Eine himmlische Frauenstimme ertönt: „Du bist ein Versager, Juan Pablo Augusto! Du wirst es nie schaffen. Du wirst sterben wie alle Anderen, so lange Du dich widersetzt.“

Verdunkelter Raum. Bilder des auseinander gebrochenen Airbus 300. Undeutlich sind um den Jet einige Gestalten auszumachen.

Kalahari Wüste. Juan Pablo Augusto ist nur einige Meter von den Palmen entfernt. Er bleibt stehen und atmet tief durch. Dann schleppt er sich zur ersten Palme und rutscht mit dem Rücken zum Stamm an dieser zu Boden. Juan Pablo Augusto wird bewusstlos. Blut läuft ihm aus dem Mund. Ein Schuss peitscht durch die Wüste.
 
Verdunkelter Raum. Grossaufnahme einer Pistole. Stakkatomässig sind die Bilder von Juan Pablo Augustos Frau Begazda und seiner kleinen Tochter Katharsis zu sehen, die aneinander gekauert und völlig leblos im Wüstensand liegen. Wieder peitscht ein Schuss durch die Wüste und zum zweiten Mal durchschlägt eine Kugel den Schädel von Begazda. Ein weiterer Schuss folgt und die Kugel zerfetzt den Kopf von Katharsis.

Kalahari Wüste. Juan Pablo Augusto wacht auf, kommt zu sich. Glutrot erscheint die Sonne am Horizont. Mit letzter Kraft gibt er einen wilden, schmerzerfüllten, unmenschlichen  Schrei von sich und bricht wieder zusammen.

Der fünfte Tag in der Kalahari bricht an, mit dem Licht der Sonne setzt ein Sandsturm ein, der die kleine Oase einhüllt und die Palmen bedrohlich biegt.
Erneut  ertönt die Frauenstimme: „Warum widersetzt du dich deiner Bestimmung, dem göttlichen Auftrag?“ Juan Pablo Augusto schlägt die Augen auf, blickt stur und apathisch vor sich hin. Der Sandsturm legt sich. Langsam geht Juan Pablo Augusto in die Hocke und richtet sich auf. Er klopft sind den Sand vom Kopf, Schultern und Armen. Mit schweren Beinen geht er ein paar Schritte weiter. Vor einem Wasserloch lässt er sich auf die Knie fallen und legt sich mit Kopf und Oberkörper ins Wasser. Reglos verharrt er so, bis ihm die Luft wegbleibt. Juan Pablo Augusto prustet schwer. Gierig schaufelt er sich mit den Händen Wasser ins Gesicht.

Juan Pablo Augusto taumelt zurück zu der Palme, wo sein Rucksack liegt. Umständlich öffnet er ihn und zieht ein Decke hervor. Am Stamm der Palme befestigt er ein Ecke der Decke, ein gegenüberliegendes Ende gräbt er im Sand ein. Juan Pablo Augusto legt sich erschöpft in den Schatten, den die Decke wirft und schläft sofort ein.

Berlin-Schwanenwerder. Licht flutet durch das Obergeschoss einer geräumigen Villa, klassische Klaviermusik. Juan Pablo Augusto und Begazda „Die Tochter des blauen Blutes" liegen nackt auf einer Landschaft unzähliger Kissen und lieben sich laut, wild und leidenschaftlich. Begazdas lange Haar bedeckt die Körper der beiden Liebenden. Wieder ertönt unüberhörbar die Frauenstimme: "Endlich! Nennt Eure Tochter, die ihr gerade zeugt, Katharsis, wie im sechsten Buch der Heiligen Schrift." Begazda und Juan Pablo Augusto reagieren nicht auf die Stimme...

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Opening credits . Vorspann
now . jetzt
Gegenverkehr [Roman]

Opening credits


When I was sorting my slides
I only saw you
on the glasses
between I once
have put my pictures
and yesterday
at the movies
during the opening credits
again only you
and my dreams

I'll keep for me
'cause you are here now

Vorspann


Als ich meine Dias
sortierte
sah ich nur Dich
auf den Gläsern
zwischen die ich einst
meine Bilder
gebettet
und gestern
im Kino
im Vorspann
wieder nur Dich
und meine Träume
behalt ich für mich
denn du bist jetzt da

now


my foot
in tension
before the jump
above the wall
behind a Nothing
more than I have
now

jetzt


mein fuss
in spannung
vor dem sprung
über die mauer
dahinter ein nichts
mehr als ich habe
jetzt